Werkzeugkasten Niederlassung

Sich als Hausarzt niederlassen und eine eigene Praxis eröffnen – das ist für viele Berufseinsteiger und Ärzte ein großer Schritt! Um euch auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten, hat das Forum Ärzte in Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband e.V. den „Werkzeugkasten Niederlassung“ entwickelt.

Was ist der Werkzeugkasten Niederlassung?

Der Werkzeugkasten Niederlassung ist eine Seminarreihe, die aus insgesamt 13 verschiedenen Modulen rund um die Niederlassung als Hausarzt besteht. Sie richtet sich an junge Allgemeinmediziner und Ärzte in Weiterbildung, die mit dem Gedanken spielen, sich niederzulassen oder gerade frisch niedergelassen haben. Die Module behandeln alle wichtigen Themenfelder von der Finanzierung einer Praxis über die Organisation bis hin zur Ausstattung.

Fit in dreizehn Modulen

Jeder Bereich wird im Rahmen eines etwa vierstündigen Workshops ausführlich erklärt. Die Inhalte werden den Teilnehmern außerdem über die Cloud zur Verfügung gestellt. „Das Besondere an unserer Seminarreihe ist, dass sie komplett von jungen Ärztinnen und Ärzten entwickelt und umgesetzt wurde, die sich selber gerade erst niedergelassen haben und somit aus erster Hand berichten können“, weiß Gabriel Rogalli, Sprecher des Forums Weiterbildung. 2016 hat er mit einem Kollegen eine Gemeinschaftspraxis in Bremen übernommen. „Wir haben während unserer eigenen Niederlassung festgestellt, dass es kein umfassendes und vor allem unabhängiges Informationsangebot für junge Hausärzte gab, die sich niederlassen wollen. Dies möchten wir mit unserem Angebot, bei dem der Kollegenrat im Vordergrund steht, ändern.“

Die Themen im Überblick

1. Wieso, weshalb, warum?

Einführung in die hausärztliche Praxis
Wie gestalte ich meine Weiterbildung? Was bedeutet eigentlich Selbständigkeit? Woher kommt das Geld? Wo hole ich mir Unterstützung? Wie bleibe ich medizinisch immer auf dem aktuellsten Stand? Wie erhalte ich mir meine Freude am Beruf? Der Weg von der Weiterbildung bis zur Niederlassung ist gepflastert mit Fragen und Unsicherheiten – wir klären sie mit euch! Wir sagen euch, wo ihr Informationen und Hilfe erhaltet und geben Tipps, wie man mit Hindernissen umgeht. Außerdem soll in diesem Seminar Zeit zum Austausch von Gedanken, Informationen und Anregungen sein.

2. Nicht warten – starten!

Praxisfinanzierung und Versicherungen
Zusammen mit den Experten der Deutschen Ärztefinanz bringen wir Klarheit in die schwierige Thematik der Versicherungen und Praxisfinanzierung: Welche Versicherung benötige ich und welche nicht? Was sind die Vor- und Nachteile verschiedener Versicherungen? Welche Kosten kommen auf mich zu? Wie funktioniert die Finanzierung? Und was muss ich zu Kreditlaufzeiten, Sondertilgung, Festzins Förderprogramme und Steuer wissen? Wir berichten von unseren Erfahrungen bei der Niederlassung und geben Raum zum Austausch von Ideen, Fragen und Anregungen.

3. Wer führt wen?

Mein Team und ich
Im Laufe der Aus- und Weiterbildung wurden wir alle von Ober-, Chefärzten und Weiterbildern geführt. Doch mit dem Einstieg in die Praxis sollen wir auf selbst die Führungskraft sein. Aber was ist Führung? Wozu ist sie notwendig? Welchen Führungsstil habe ich und welchen möchte ich leben? Wir zeigen euch, wie direkte Führungsinstrumenten wie Lob, Anerkennung, Kritik und Zielvereinbarungen und indirekte Führungsinstrumente funktionieren und geben euch Tipps für eine gute Kommunikation. Informationen über Personalsuche, Arbeitsverträge, Arbeitsplatzgestaltung. Teambildung, Teamsitzungen und Mitarbeitergespräche kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz.

4. Das Genie beherrscht das Chaos

Sprechstunden- und Praxisorganisation
Wer kennt das nicht: Es ist Montagmorgen. Eigentlich scheint alles gut durchdacht. Dann kommt ein Notfall, „sprengt“ die Sprechstunde, etliche Patienten wollen „nur mal eben“ am Tresen eine Kleinigkeit besprechen und der Kollege im Nachbarort hat die Praxis geschlossen. Wir wollen euch Hilfestellung geben, eine gut organisierte und durchdachte Sprechstundenplanung zu etablieren. Dazu gehört die Definition von Sprechstundensystemen. Wir sprechen gemeinsam über Wartezeiten und geben Tipps für die Umsetzung einer sinnvollen Terminplanung. Begrifflichkeiten wie Sprechstundenbedarf und Praxisbedarf werden differenziert dargestellt und delegationsfähige Arbeiten und die Sprechstundenorganisation von Arzt und MFA diskutiert. Wir zeigen, was aus einer Praxis-EDV herausgeholt werden kann und wollen auch das Arbeiten mit Checklisten nicht zu kurz kommen lassen.

5. How to go to prison

Ärzte als Arbeitgeber, Unternehmer und Betreuer von Patienten
Willkommen im Minenfeld der in einer Arztpraxis wichtigen Gesetze und Vorschriften! Wir besprechen die Verordnungsvorgaben des GBA, Patientenrechte (im Sinne von Schweigepflicht) und Datenschutz. Aber auch der Arzt als Arbeitgeber kommt nicht zu kurz – schließlich sollte er sich mit dem Arbeitszeit-, Mutterschutz-, Jugendarbeitsschutzgesetz und vielen anderen auskennen.

6. Qual der Wahl

Kriterien der Praxisauswahl
Die Facharztprüfung ist bestanden und der Niederlassung steht nichts mehr im Wege. Aber wo lasse ich mich nieder? Allgemeinmediziner, die sich heute für die Niederlassung entscheiden, haben sehr viele Optionen. Wir helfen bei der Entscheidungsfindung, indem wir mit euch die Niederlassungsvoraussetzungen und Formen der Niederlassung klären, Tipps geben, worauf ihr bei Standortwahl achten solltet, besprechen, wie eine Praxisübernahme abläuft und erörtern, was bei den Praxisräumen zu berücksichtigen ist.

7. Irren lernt man

Qualitäts- und Fehlermanagement
Das Erarbeiten eines Qualitätsmanagements (QM) erscheint oft wie ein Buch mit sieben Siegeln. Wir wollen euch den Weg zu einem QM erleichtern, die rechtliche Seite ansprechen und gemeinsam beispielhaft Prozesse und Handlungsabläufe erstellen. Der Aufwand, der mit der Einführung eines QM-Systems verbunden ist, ist vergleichsweise zu den Problemen, die bei nicht aufeinander abgestimmten Abläufen auftreten, gering. Die Definition von Fehlern und der Umgang mit ihnen ist ein nicht zu vernachlässigender Bestandteil des täglichen Miteinanders im Praxisteams.

8. Freude mit Formularen

Bürokratie
Die 97 Formulare in der Hausarztpraxis sind so manchem ein echter Graus. Trotzdem ist der Umgang mit Formularen notwendig. In diesem Modul werden zeiteffiziente Strategien mit dem Schriftverkehr in der Sprechstunde vorgestellt. Außerdem wird die sichere und zielorientierte Bearbeitung von Versicherungsanfragen und Attestwünschen vorgestellt. Teil des Moduls sind darüber hinaus die wichtigsten GKV-Formulare mit Hintergründen zur Entstehung, zu Fristen und zur Vergütung, rechtliche Grundlagen für Krankenkassenanfragen, Unfall- und Lebensversicherungsanfragen, hausärztliche Atteste, Atteste zur Prüfungsunfähigkeit, Versorgungsamtsanfragen, Anfragen von Ämtern und Behörden sowie kleine Gutachtenkunde.

9. Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Formen der Berufsausübung
Angestellt oder selbstständig, geteilter Sitz, Jobsharing, BAG, PG, EP, MVZ, SJF, MDK oder RV? Was bedeutet das alles und welche Form der ambulanten Tätigkeit ist für mich aktuell geeignet? Wir beleuchten die Vorteile und Nachteile verschiedener Formen der Berufsausübung. Außerdem beschäftigen wir uns damit, wie man in einer gemeinsamen Tätigkeit Aufgaben verteilen und über längere Zeit gut zusammenarbeiten kann.

10. Ich weiss, dass ich nichts weiss

Wissensmanagement
Wie soll man neben dem stressigen Praxisalltag eigentlich auch noch die Zeit finden, um auf sich auf dem aktuellsten Wissensstand halten? Und was muss ich eigentlich wissen? Wie unterscheide ich Wichtig von Unwichtig?Auf welche Quellen kann ich mich verlassen? Wir helfen euch den Kopf über Wasser zu halten. Laptop, Tablett und Smartphone sind erwünscht – wir recherchieren zusammen online!

11. Ehrlich gutes Geld verdienen – Teil I

Abrechnung, EBM und Regresse
Budgets, Ziffern, Regelleistungsvolumen, Abrechnung – ein Buch mit sieben Siegeln? Wir erklären euch die Kassenabrechnung von Grund auf und gehen auf die einzelnen Ziffern ein. Auch für Fortgeschrittenere werden interessante Information dabei sein! Gezielte Fragen könnte ihr gerne mitbringen, wir klären sie gemeinsam.

12. Ehrlich gutes Geld verdienen – Teil II

Privatabrechnung und andere Kostenträger
Privatabrechnung, BG-Fälle – welche Kostenträger gibt es noch? In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit allem, was nicht über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet wird. Wir erklären euch Grundsätzliches, geben einen Überblick und üben typische Fälle.

13. Mein Haus, mein Auto, mein Boot

Praxisausstattung
Wartezimmer-TV, Kaffeeautomat, das neueste Sonographie-Gerät, Kugelschreiber mit Praxislogo – ist das wirklich alles nötig? Wir besprechen, welche Praxisausstattung sinnvoll ist, was Spielerei ist und auf welche Dinge man vielleicht sogar eher verzichten sollte.

 Anmeldung und Termine

Die Module der Seminarreihe „Werkzeugkasten“ werden in ganz Deutschland auf den Kongressen und Hausärztetagen des Deutschen Hausärzteverbandes e.V. und seiner Landerverbände statt. Die Termine findet ihr auf der Website des Werkzeugkastens Niederlassung. Die Onlineanmeldung ist über die Website des Deutschen Hausärzteverbands e.V. unter der jeweiligen Veranstaltung möglich.

Bei Fragen zu den Modulen oder Terminen könnt ihr euch direkt an das Team vom Werkzeugkasten unter werkzeugkasten[at]hausaerzteverband.de wenden!