Bewerbungsgespräch im Krankenhaus

Auf Stellensuche

Man kann es kaum glauben, aber auch das Medizinstudium ist irgendwann einmal zu Ende! 12 Semester oder sechs Jahre sind eine lange Zeit – kaum jemand macht sich da sonderlich früh Gedanken, wie es denn überhaupt weitergehen soll. Viele meiner Kommilitonen sehnen sich am Ende des PJ nur noch nach ganz viel Urlaub, Freizeit und Erholung. Und die Doktorarbeit muss ja schließlich auch noch fertig geschrieben werden. Wenn man erst mal arbeitet, so die vorherrschende Meinung, kommt man ja schließlich zu nichts mehr… und das ist leider auch wahr!

Welche Weiterbildung darf es nach dem Medizinstudium sein?

Während der letzten Wochen im PJ (das ist bei mir jetzt auch schon wieder ein Jahr her) habe ich angefangen, mich zu fragen, wie es nun für mich eigentlich weitergehen soll. Meine Doktorarbeit war glücklicherweise schon geschrieben und abgegeben. Auf eine längere Reise hatte ich keine besonders große Lust, da mein Freund noch mitten im Studium war und längere Fehlzeiten für ihn ungünstig gewesen wären. Daher stand ziemlich schnell fest, dass ich baldmöglichst mit meiner Arbeit als Assistenzärztin beginnen wollte.

Behandlungszimmer in einer HausarztpraxisDie letzten beiden Quartale in meinem PJ waren eindeutig die Besten und bei der Frage wie es weitergehen soll, sehr aufschlussreich. Von Mai bis August war ich am ZI in Mannheim in der Suchttagesklinik gewesen und von August bis Oktober hatte ich mein Wahlquartal Allgemeinmedizin in einer Hausarztpraxis in der Mannheimer Gartenstadt verbracht. Nach wenigen Wochen dort war mein Wunsch, mich zur Allgemeinmedizinerin weiterbilden zu lassen, bestätigt. Aber auch die Psychiatrie hatte ihre positiven Eindrücke hinterlassen. In Baden-Württemberg kann man sich auf den Facharzt für Allgemeinmedizin bis zu 18 Monate in anderen patientennahen Fachgebieten anrechnen lassen – also auch in der Psychiatrie. Perfekt.

Also habe ich mich sowohl in der Psychiatrie als auch in der Inneren Medizin beworben, jedoch eher in kleineren Häusern. Universitätskliniken und größere Krankenhäuser liegen mir nicht besonders. Ich war sehr überrascht, wie schnell dann doch die Einladungen zu den Vorstellungsgesprächen kamen.

Die Vorstellungsgespräche im Krankenhaus

Jobsuche im KrankenhausMein allererstes Vorstellungsgespräch fand in der Psychiatrie statt. Ich war schon ein wenig aufgeregt, man weiß ja am Anfang nicht, was so auf einen zukommt.  Wenn man plötzlich dem Chefarzt und einigen Oberärzten und Oberärztinnen gegenüber sitzt, ist einem anfangs doch etwas mulmig zumute. Sorge oder gar Angst vor Vorstellungsgesprächen ist aber völlig unbegründet. Meist sind es recht angenehme Unterhaltungen, die völlig zwanglos ablaufen. Man bekommt eigentlich fast mehr über das jeweilige Krankenhaus und die unterschiedlichen Weiterbildungsmöglichkeiten erzählt, als dass man mit diffizilen Fragen in die Ecke gedrängt werden würde (wie das in großen Wirtschaftsunternehmen wohl der Fall sein soll). In aller Regel wollen die künftigen Chefs wissen, warum man sich das jeweilige Fachgebiet ausgesucht hat, welche Ziele man hat und wie der bisherige Werdegang war. In der Inneren Medizin des kleinen Krankenhauses, in dem ich letztendlich auch angefangen habe, wurde ich sogar gefragt, was ich denn so in meiner Freizeit mache. Soweit ich mich erinnere, bekam ich am Ende dann mehr Fragen zu Pferden und Pferdezucht gestellt, als zu Medizinischem.

Happy End

Daumen drücken fürs VorstellungsgesprächNach einer Hospitation dort war ich mir dann auch vollkommen sicher, dass es der richtige Arbeitsplatz für mich ist. Es ist einfach unglaublich viel wert, wenn Chef- und Oberärzte in einem nicht nur die Arbeitskraft, sondern auch eine Persönlichkeit und einen Menschen sehen. Man ist nicht Assistent XY, der beliebig ersetzbar ist, wenn er nicht mehr funktioniert, sondern hat das Gefühl, in eine Gemeinschaft aufgenommen und ernst genommen zu werden. Deshalb mein Appell an Euch, wenn ihr nach dem PJ auf Stellensuche geht: Hört auf euer Bauchgefühl, redet mit den zukünftigen Assistentenkollegen und stellt ihnen alle Fragen, die Euch bewegen. Nur so könnt ihr eine Stelle finden, mit der ihr am Ende auch zufrieden seid.