Das verschneite Hinterzarten

Winterschool Allgemeinmedizin 2018

Wenn man vom platten Land kommt und der höchste „Berg“, den man kennt, der acht Meter hohe Deich vor der Nordsee ist, ist die Ankunft im verschneiten Hinterzarten ziemlich beeindruckend. Spätestens nach der Begrüßung im Hotel mit hausgemachten Käsespätzle konnte man gar nicht anders, als sich im Schwarzwald willkommen zu fühlen. Schon am ersten Abend es für uns ans Eingemachte: Was ist eigentlich das Besondere an der Allgemeinmedizin? Jeder von uns 23 Studierenden hatte dazu schon eine Antwort im Kopf – sie sollte uns die nächsten Tage begleiten.

Übung macht den Meister

Mitmachen ist angesagt!

Das Programm der Winterschool 2018 war breit gefächert. Die fachlichen Themen reichten weit über das hinaus, was man von der Uni kennt. Reine Theorie und Frontalunterricht? Von wegen! Wir hatten keine Zeit im Unterricht zu schlafen und waren an konkreten Beispielen ständig selbst gefordert. 20 Blickdiagnosen in zehn Minuten, das stolpernde Herz, die Patientin mit akuter Luftnot – was tun? Dass wir alle unterschiedlich weit in unserem Wissen waren, stellte absolut kein Problem dar. Ganz im Gegenteil. Es hat uns geholfen, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und war letztlich eine Bereicherung für alle. Am Samstag wurde es im SkillsLab der Uni Freiburg dann noch mal richtig praktisch: Neben EKG und Sonographie haben wir uns den Grundlagen der gynäkologischen Untersuchungen gewidmet.

Mehr als „nur“ Medizin

BWL, EBM und HZV...auch nichtmedizinische Themen werden behandelt.Das war aber lange noch nicht alles! Uns interessierten natürlich nicht nur die medizinischen Fakten. Im Seminar zur Gesprächsführung trainierten wir unsere Soft-Skills. Licht ins Dunkle brachte die Winterschool auch bei allen Themen, die für uns nach dem Studium eine entscheidende Rolle spielen werden: Wie ist die Weiterbildung Allgemeinmedizin aufgebaut und wie sieht es mit Zusatzqualifikationen aus? Was, wenn ich mich niederlassen möchte? Wie werde ich in meiner eigenen Praxis dem Job als Arzt und Unternehmer gerecht? Welche nicht-medizinisch Aufgaben kommen auf mich zu? Und wo bekomme ich überhaupt eine Praxis her? In Workshops zum Thema Niederlassung lernten wir zum Beispiel, wie man eine Abrechnung macht oder welche Lebensentwürfe sich als Hausarzt verwirklichen lassen. In der großen Podiumdiskussion stellten sich uns verschiedene Hausärztinnen und Hausärzte mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben und Arbeiten dann persönlich vor und erzählten in kleiner Runde beim Abendessen ihre Geschichten.

Willkommen im Winterwonderland

Skilanglauf bei der Winterschool Allgemeinmedizin!Klingt nach einem vollen Programm? Wir hatten noch Zeit übrig – und die nutzten wir! Am Donnerstagabend machten wir eine Fackelwanderung zur Skischanze hoch über den Dächern von Hinterzarten, wo uns der Feldberggeist begegnete – der übrigens ziemlich gut schmeckt. Am Samstag war Skifahren angesagt und aus Hausärzten wurden Skilehrer. Mit einer Wahnsinnsgeduld versuchten sie uns an die Langlaufskier zu gewöhnen, bis wir am Ende sogar einen Ausflug machen konnten. Kaum zu glauben, wie anstrengend das ist! Bei anderen sieht es so entspannt aus.

Vielleicht denkt ihr euch jetzt, dass wir abends immer tot ins Bett gefallen sind. Leider falsch, schließlich ist man nicht alle Tage mit 23 Kommilitonen im Schwarzwald. Viel Schlaf hat keiner von uns bekommen. Geschuldet war das nicht zuletzt der lockeren und offenen Atmosphäre, der liebevollen Organisation und den engagierten Allgemeinmedizinern.

Mit Leib und Seele

Die Teilnehmer haben Spaß!Am Schönsten war es zu sehen, wie viel Freude unseren Dozentinnen und Dozenten die Lehre gemacht hat und mit wie viel Leidenschaft sie „ihr Fach“ vermitteln. Was ist denn jetzt aber eigentlich das Besondere an der Allgemeinmedizin? Sie ist vor allem eins: vielfältig, individuell und flexibel. Sie lässt sich auf jeden Lebensabschnitt, jede berufliche Situation und jeden Charaktertyp zuschneiden. Niemand musste sich auf der Winterschool rechtfertigen, warum er oder sie sich vorstellen kann, Hausarzt zu werden. Allgemeinmedizin ist bunt und eben gerade das ist das Einzigartige – einfach ein Fach mit Herz!