Wenn die Klausuren rufen…

Wie schnell doch ein Semester vergeht! Auf einmal stehen schon wieder die Klausuren vor der Tür! Die Lernzeit wird knapp und wie jedes Mal hat man in den letzten Tagen noch einen ganzen Berg von Lernskripten zu bewältigen….

Studentin/Junge Frau lernt Bücherei/Bibliothek für Medizin

 

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Es ist schon komisch: Wenn ich mich so an den Anfang des Semesters erinnere, meine ich mir  ganz fest vorgenommen zu haben, dieses Mal vorbereitet in die Lernphase zu starten. Heißt: IMMER zu den Vorlesungen zu gehen, sie SOFORT nachzuarbeiten und damit schon DIREKT mit dem Lernen anzufangen. Doch dann kommen im Laufe des Semesters wieder diese furchtbar dringenden anderen Verpflichtungen dazwischen: Das Boxtraining, das sich leider mit der Abendvorlesung am Mittwoch überschneidet, die Überstunden bei der Arbeit, die man nur am Wochenende abbummeln kann und dann noch der Geburtstag eines Freundes am Donnerstagabend, da ist man Freitagmorgen natürlich einfach noch nicht wieder fit. Es nützt alles nichts: So kann man doch beim besten Willen nicht zur Uni kommen!

Von Differentialdiagnosen und Autoimmunprozessen

hausärztin hausbesuch patientin behandlungWenn die Klausuren dann bedrohlich nahe kommen, kann man es schließlich nicht mehr verhindern, einen intensiveren Blick in die Bücher zu werfen. Und dann kommt auch schon die Panik. Wie soll man das denn alles rechtzeitig schaffen? Aufschieben geht dann nicht mehr und irgendwie schafft man es doch dann, sich so richtig ins Zeug zu legen.

Nachdem ich erst richtig ins Lernen gestartet bin, fällt mir auf, dass die Differentialdiagnosen von akutem Schwindel doch eigentlich viel spannender sind, als sie bei Professor D. in der Vorlesung klangen. Zu meiner Verteidigung: Professor D. ist etwa 85 Jahre alt und seine PowerPoint-Folien, auf denen ein halber Roman in Schriftgröße 9 steht, präsentiert er mithilfe eines „Rohrstocks“. Außerdem untermauert er seine 326-seitige Präsentation gerne mit Grafiken, die er zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstellt hat.

Und auch die Entstehung von Autoimmunprozessen ist eigentlich gar nicht soooooo schwer zu verstehen ist, wie es die Erklärungen von Frau Dr. P. immer vermuten ließen. Die kräftig gebaute Frau Dr. P. besitzt nämlich ein Sprechorgan, das man aus ihrer Statur annähernd nicht ableiten kann: Ihre Stimme schallt etwa zwei Meter durch den Hörsaal, bis sie zwischen den einnickenden Köpfen versiegt. Schwer begeistert von ihren aktuellen Forschungsergebnissen, schlägt sie einen mit dem größten Vergnügen komplexen Schaubilder aus dem letzten internationalen Immunulogie-Symposien um die Ohren. Wer hätte da denken sollen, dass das der Prozess doch eigentlich so einfach nachvollziehbar ist?

junge Frau liest und hört MusikBeim Lernen wird mir wieder mal schnell klar: Die Medizin hat so unglaublich viele spannende Seiten und ich ärgere mich, dass ich das jetzt alles mal wieder so sehr auf Druck lernen muss. Ich würde gerne viel mehr Zeit dafür haben und mich viel intensiver und in Ruhe mit dem Stoff auseinander setzen. Schließlich lernt man ja auch nicht für die Professoren und auch nicht (nur) für die Klausur. Eigentlich will ich doch vor allem ein guter Arzt werden und mich auskennen.

Medizin studieren ist ein Privileg!

Dann fällt mir plötzlich wieder ein, wie schön es ist, Medizin studieren zu dürfen. Und ja, ich denke plötzlich in der stressigsten Phase des Semesters darüber nach, was für ein Glück ich habe, das hier lernen zu dürfen! Und dann nehme ich mir ganz fest vor: Im nächsten Semester, da gehst du IMMER zu den Vorlesungen, arbeitest sie SOFORT nach und fängst DIREKT an, alles zu lernen…