100-Kilometer-hin-und-zurueck

100 Kilometer hin und zurück…

Wir schreiben den 15. November 2015 – für mich beginnt heute ein neuer Abschnitt: das erste Quartal meines Praktischen Jahres! Ihr habt richtig gehört: In Mannheim ist das PJ in vier Abschnitte unterteilt. Die ersten drei Monate standen ganz im Zeichen der Inneren Medizin und mich erwarteten neben 200 Kilometer Fahrt seeeehr viel Blut.

Mein PJ hat beginnt fast genau einen Monat nach meinem schriftlichen Examen. Ich hatte also genug Zeit, mich seelisch und moralisch auf meine neue Aufgabe vorzubereiten. Manche berichten von einer ganzen Flut an Tatendrang und Schaffensgeist – bei mir war das jetzt irgendwie nicht ganz so ausgeprägt. Man soll die Erwartungen ja mal lieber nicht ganz so hoch stecken. Mein erster Tag in der Inneren Medizin in einem mittelgroßen Krankenhaus in Mannheim beginnt um 8 Uhr. Das Krankenhaus liegt 100 km von meinem Wohnort entfernt, also musste ich um 05:30 Uhr aufstehen, die Bahn zu erwischen und dann mit dem Fahrrad zum Krankenhaus fahren zu können. Es war dunkel, als ich von zu Hause weggefahren bin und dunkel als ich wieder zu Hause war…  . Rund 10 km von meinem Wohnort entfernt liegt übrigens ein Lehrkrankenhaus der Uni Heidelberg. Dafür habe ich mich im Rahmen eines Fakultätswechsels beworben – natürlich ohne Erfolg. PJ-Mobilität mit unserem ach so fortschrittlichen Quartalsystem totale Fehlanzeige. Aber man muss die universitäre Bürokratie nicht verstehen und manche Strukturen sollte man besser nicht hinterfragen… aber ich schweife ab.

100-Kilometer-hin-und-zurueckEin Losverfahren hat mir die gastroenterologische Normalstation zugeteilt. Hier war jeden Tag Blut abzunehmen… ziemlich viel Blut. Im Schnitt bei 15 bis 20 Patienten, manchmal waren es auch deutlich mehr. Eigentlich hat die Station eine Arztassistentin, die für die Blutentnahmen zuständig ist. Leider war sie die meiste Zeit meines Quartals krank und ich war auf mich alleine gestellt. Am Anfang war ich deshalb fast am Rand der Verzweiflung. Meine letzte Famulatur lag schon einige Zeit zurück und so richtig Praxis im Blutabnehmen und Braunülen legen hatte ich nicht mehr. Und dann waren da ja noch die Venenverhältnisse der Patienten… auch nicht immer die allerbesten. Die anderen Assistenzärzte hatten so viel zu tun, dass es ihnen zum Glück auch nicht weiter aufgefallen ist, wenn ich erst kurz vor der Mittagsbesprechung um 12:30 Uhr fertig mit den ganzen Blutentnahmen fertig war. Sie waren mir immer sehr dankbar, dass ich die ganzen Routineaufgaben von ihnen fernhielt und so durfte ich nachmittags (wenn nicht viel los war) dann auch mal früher gehen. Irgendwo ist man als PJler ja doch noch Student und freut sich bei der kargen Aufwandsentschädigung über zusätzliche Freizeit.

100-Kilometer-hin-und-zurueckZu meinen Aufgaben auf Station gehörte außerdem die Aufnahme von Patienten. Eine optimal Gelgenheit um meine Fertigkeiten in Anamnese und körperlicher Untersuchung weiter zu vertiefen. Die meisten Patienten kamen zur Gastroskopie oder zur Koloskopie mit Interventionen, die unter ambulanten Bedingungen also nicht durchgeführt werden konnten. Dann gab es noch Patienten zur stationären Alkoholentgiftung, viele ERCPs bei Gallensteinleiden, Anämie und Gewichtsverlustsabklärung, Ösophagusvarizenblutungen und andere Folgen von Leberzirrhose, unterschiedliche Tumorerkrankungen und natürlich auch eine ganze Palette an verschiedenen Infektionen wie Campylobacter, Noro-Virus oder Clostridiumdifficilie.

Wenn man sich im  PJ erst einmal an den Tagesablauf gewöhnt hat, läuft meiner bisherigen Erfahrung nach alles ganz gut. Mein erstes Quartal ging  dann auch relativ schnell vorbei. In den letzten vier Wochen hatte ich beim Blutabnehmen wieder Unterstützung durch die kranke Arztassistentin und in den letzten zwei Wochen hatte ich auch noch einen PJ-Kollegen zum Austauschen. Mein Innere- Quartal war summa summarum trotz Startschwierigkeiten lehrreich und ich durfte vieles selbst machen – sogar Aszites- und Pleurapunktionen unter Aufsicht. Mal schauen, was das Chirurgie-Quartal zu bieten hat…