Der Start ins Berufsleben geht zunächst mit der Frage einher: Anstellung oder Niederlassung?

Anstellung oder Niederlassung?

Die Weiterbildung ist geschafft, jetzt ruft das nächste Level! Aber welche Möglichkeiten habe ich eigentlich, als Hausarzt oder Hausärztin zu arbeiten und was bedeutet es, sich selbstständig zu machen?

Anstellung und Niederlassung

Lea überlegt sich, ob sie sich niederlassen oder anstellen lassen möchte.Wer als Hausarzt in der ambulanten Versorgung tätig werden möchte, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder man arbeitet als angestellter Arzt in einer Hausarztpraxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum oder man macht sich mit einer eigenen Praxis selbstständig. Selbstständigkeit bedeutet natürlich nicht, dass man alleine arbeiten muss. Man kann sich auch mit Kollegen derselben oder einen anderen Facharztrichtung zusammen in einer Praxis niederlassen.

Als angestellter Arzt bezieht man ein festes Gehalt, hat geregelte Arbeitszeiten, bekommt Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und ist mit wesentlich weniger Bürokratie konfrontiert. Man trägt kein wirtschaftliche Risiko und kann auch in eigentlich gesperrten Planungsbereichen arbeiten. Auf der anderen Seite erzielt man aber auch keine zusätzlichen Gewinne durch Einnahmenüberschüsse, hat nur eingeschränkte Mitbestimmungsrechte und muss sich in bestehende Hierarchien einfügen. Eine Anstellung ist vor allem für Berufseinsteiger, als Übergang vor der Selbstständigkeit oder während der Familienplanung (Lohnfortzahlung in Elternzeit) eine gute Alternative.

Wer gesetzlich versicherte Patienten in einer eigenen Praxis behandeln möchte, muss sich niederlassen. Dafür braucht man als Allererstes eine Zulassung als Vertragsarzt für den gewünschten Planungsbereich.

Zulassungsantrag und Zulassungsausschuss

Wer eine Zulassung als Vertragsarzt haben möchte, wendet sich an die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV). Sie unterstützt euch beim Zulassungsverfahren und stellt den Zulassungsantrag an den sogenannten Zulassungauschuss, ein Gremium aus Vertretern der Ärzteschaft und der Krankenkassen. Der Zulassungsausschuss entscheidet, welcher Bewerber einen freien Arztsitz bekommt. Übrigens: Eine Zulassung bedeutet nicht automatisch, dass ihr in Vollzeit arbeiten müsst. Modelle wie Teilzulassung oder Jobsharing ermöglichen es euch, auch in der Niederlassung mit reduzierter Stundenzahl zu arbeiten. Das Zulassungsverfahren besteht insgesamt aus vier Schritten.

Zulassungsverfahren

1. Arztregister: Als Erstes muss man sich in das Arztregister der zuständigen KV eintragen lassen. Voraussetzung dafür ist, dass ihr eure Approbation vorlegen könnt und eine Facharztweiterbildung abgeschlossen habt.

2. Warteliste: Wer plant, sich früher oder später in einem bestimmen Planungsbereich niederzulassen, kann sich auf die entsprechende Warteliste setzen lassen. Ihr verpflichtete euch damit nicht, euch später auch wirklich in diesem Gebiet niederzulassen. Ihr könnte so aber schon frühzeitig Wartezeiten aufbauen. Der Zulassungsausschuss berücksichtigt die gesammelte Wartezeit bei seiner Entscheidung, welcher Bewerber den Arztsitz bekommt. Man kann sich auch auf mehrere Wartelisten setzen lassen.

3. Zulassungsantrag: Der Zulassungsausschuss entscheidet anhand verschiedener Kriterien, welcher Bewerber einen freien Arztsitz bekommt. Dazu gehören zum Beispiel die berufliche Eignung, das Approbationsalter, die Dauer der bisherigen ärztlichen Tätigkeit oder die verwandtschaftliche Verhältnisse zum abgebenden Arzt. Für den Zulassungsantrag müsst ihr verschiedene Zeugnisse und Bescheinigungen einreichen. Deshalb solltet ihr alle Dokumente zu eurem beruflichen Werdegang immer sorgfältig sammeln. So vermeidet ihr zeitlichen Verzögerungen, weil euch Unterlagen fehlen.

4. Genehmigung: Ist euer Zulassungsantrag vom Zulassungsausschuss genehmigt worden, habt ihr es geschafft. Ihr seid nun offiziell Vertragsarzt und könnt mit einer eigenen Praxis in dem von euch gewählten Planungsbereich starten!