Auf-nach-Oesterreich

Auf nach Österreich!

Juhu – es ist soweit! Im Mai hat mit meinem Praktischen Jahr endlich das lang ersehnte Arbeitsleben begonnen! Im berühmten Krankenhaus Hall in Tirol kann ich nun all das anwenden, was ich im Studium bisher gelernt habe. Ihr kennt das Krankenhaus Hall noch nicht? Dann solltet ihr euch unbedingt mal den Bergdoktor anschauen…

Die Arbeit auf Station

Meine erster PJ-Aufenthalt ist die Inneren Medizin und die kardiologischen Station. Hier geht mein Arbeitstag um 8:00 Uhr mit einer Morgen-Besprechung los, dann gehts direkt weiter zur Visite. Hier bekommt man erstmal alle neuesten Informationen über die Patienten – also kurzum über alles, was man seit dem letzten Arbeitstag verpasst hat. Danach starte ich meine Blutabnahme- und Flexülen-Lege-Runde. Das Team der Inneren Medizin und die Kollegen der Pflege-Station verstehen sich so gut, dass wir fast jeden Morgen zusammen frühstücken. Im Aufenthaltsraum wird bei Semmeln mit Marmelade und dampfendem Kaffee über die letzten Bergtouren und Radveranstaltungen berichtet – Tirol ist wirklich der perfekte Ort für sportbegeisterte Mediziner! Generell habe ich schnell den Eindruck gewonnen, dass hier irgendwie jeder entweder was mit den Bergen und/oder dem Sport am Hut hat.

Auf-nach-OesterreichEins musste ich auf Station sehr schnell lernen: Der Alltag eines Arztes findet leider nicht immer am und mit dem Patienten statt – irgendwann ruft der Papierkram. Ich kümmere mich in der Regel am späten Vormittag darum, gebe alle Untersuchungen für die Patienten ein und schreibe manchmal unendlich viele Arztbriefe. Das einzig Gute daran: Man wird mit der Zeit schneller. Nach ein paar Wochen hatte ich den Dreh allmählich raus.

Der mir liebste Teil meiner Arbeit findet am Nachmittag statt. Da geht es für mich in die Funktionsbereiche wie TEE, TTE, Sono oder auch die Ambulanz. In der Ambulanz gefällt es mir mit am besten. Die Arbeit dort hat nämlich wirklich viel mit dem Hausarztberuf zu tun  und man kann sich genau auf das konzentrieren, worum es in der Allgemeinmedizin eigentlich geht: dem Menschen und nicht der Dokumentation!

Im Berufsalltag eines PJ-lers kommen auch Fortbildungen nicht zu kurz. In der Regel endet mein Nachmittag aber um 16 Uhr und mein offizieller Feierabend beginnt. Damm schnappe ich mir mein Bike oder erklimme den nächsten Gipfel – stilecht in Wanderschuhen, wie man das hier so macht!

Praktisches Jahr im Ausland?

Auf-nach-OesterreichSein praktisches Jahr nicht in Deutschland zu absolvieren, muss nicht kompliziert oder teuer sein. Ganz im Gegenteil: Deutsche Studenten bekommen im Rahmen des ERASMUS-Programms eine finanzielle Unterstützung. Ich habe den ERASMUS-Antrag über meine Heimatuniversität gestellt und da das Krankenhaus Hall ein Lehrkrankenhaus ist, gewährleistet die medizinische Universität Innsbruck auch die Anerkennung.

Ein Zimmer in einer WG zu bekommen, ist dank der großen Fluktuation an Studenten in Innsbruck kein Problem. Vor allem über die Sommermonate findet man schnell etwas Passendes, auch wenn man sich hier mit hohen Mieten (vergleichbar mit den Münchener Mietpreisen!) anfreunden muss. Wohnheimplätze gibt es leider ebenfalls nicht viele,  dafür aber jeden Tag ein warmes Mittagessen. Für den einen oder anderen Koch-Muffel ist das mitunter ein großer Pluspunkt.

Mein PJ ist inzwischen schon zur Hälfte vorbei, dabei kommt es mir vor, als wäre ich gerade erst angekommen. Nach allen anfänglichen Überlegungen bin ich über meine Entscheidung, mein PJ in Tirol zu verbringen, mehr als glücklich. Für mich hat es sich nicht nur beruflich gelohnt, ich habe auch einen Ort gefunden, an dem ich mich wie zu Hause fühle. Ich kann jedem, der sich überlegt, sein PJ im Ausland oder vielleicht sogar in Österreich zu machen, nur empfehlen, diesen Schritt zu gehen!