Selbstständig zu sein, ist nicht ganz einfach. Wie funktioniert die Praxisführung und was verdiene ich eigentlich?

Aus Arzt wird Manager

In einem Krankenhaus oder einer Praxis als angestellter Facharzt zu arbeiten, bedeutet, dass man hauptsächlich der Arbeit nach geht, für die man im Studium und der Weiterbildung ausgebildet wurde: die Medizin. Sein Gehalt bekommt man am Ende des Monats direkt aufs Konto überwiesen. Wer sich mit einer eigenen Praxis selbstständig machen möchte, wird dagegen mit ganz neuen Aufgaben und Herausforderungen aus dem Bereich Betriebswirtschaftslehre konfrontiert.

Chef werden, Chef sein

Wer eine Praxis führt, ist für ein kleines Wirtschaftsunternehmen verantwortlich. Vom Toilettenpapier über die Glühbirne und die Praxis-EDV bis zur Patientenabrechnung – alles muss reibungslos funktionieren und am besten natürlich rentabel sein. Als Chef müsst ihr kompetentes Personal einstellen, Arbeitspläne schreiben, Mitarbeitergespräche führen, euch um eure Buchhaltung kümmern und natürlich dafür sorgen, dass genug Patienten in eure Praxis kommen (Praxismarketing). Natürlich müsst ihr das nicht alles zwangsläufig selbst machen, sondern könnt auch delegieren: Viele Medizinische Fachangestellte (MFAs) unterstützen ihre Ärzte bei der Abrechnung oder kümmern sich als Praxismanagerinnen, um den reibungslosen Praxisbetrieb. Die Verantwortung liegt aber letztlich ganz oben: bei euch. Ein Tipp unserer Experten: Keine Arztpraxis funktioniert wie die andere. Egal, ob ihr eine Praxis ganz neu gründet, eine Praxis übernehmt oder in eine bestehende Praxis als Partner einsteigt: Eine Niederlassungsberatung, wie sie zum Beispiel von der Kassenärztlichen Vereinigung angeboten wird, hilft euch, die Grundzüge von Praxisgründung und -führung von Anfang an besser zu verstehen.

Niederlassungsberatung – alle für einen

Die Kassenärztlichen Vereinigungen bieten jungen Ärzten eine umfassende und kostenlose Niederlassungsberatung in vier Phasen an: (1) Orientierung vor der Zulassung, (2) nach der Zulassung und vor dem Praxisaufnahme, (3) zeitnah nach der Praxisaufnahme und (4) nach der Etablierung der Praxis. Mit einem Businessplan erarbeitet ihr gemeinsam mit den Beratern den Grundstein für eure Selbstständigkeit. Der Businessplan zeigt euch, wie eure neue Praxis (wenn es denn schon eine gibt) aufgestellt ist und was finanziell auf euch als neuen Praxisinhaber oder Partner zukommt. Außerdem werden die Kostenstruktur, die Vor- und Nachteile der Praxis sowie ihr Potenzial analysiert. Am Ende erhält man eine Liquiditätsvorschau, kann eine Risikoeinschätzung vornehmen und relativ genau prognostizieren, mit wie viel Kosten und Einnahmen ihr rechnen müsst und könnt. Die KV unterstützt euch aber nicht nur beim Businessplan, sondern auch bei ganz vielen anderen Themen rund um die Niederlassung wie Abrechnung und Honorar, Sprechstundenbedarf und Erstbeschaffung, IT in der Praxis und Praxismanagement. Im Idealfall steht euch zusätzlich auch noch euer Praxisvorgänger oder der zukünftigen Praxispartner mit Rat und Tat zur Seite.

Über Geld spricht man nicht?

Ein Hausarzt verdient sein Geld, indem er Patienten behandelt. Die erbrachten Leistungen muss er abrechnen. Dabei unterscheidet man zwischen Privatpatienten und gesetzlich versicherten Patienten. Bei Privatpatienten schickt der Arzt die Rechnung meistens direkt an den Patienten. Bei Kassenpatienten gibt es zwei Abrechnugssysteme – das Kollektivvertragssystem und das Selektivvertragssystem (im hausärztlichen Bereich besser bekannt als Hausarztzentrierte Versorgung).

Alle Einnahmen, die ihr in eurer Praxis generiert, bilden zusammen den Umsatz. Etwa 50 Prozent davon braucht ihr, um eure Kosten zu decken. Dazu gehören Personalkosten, Kosten für Praxis- und Laborbedarf, Raumkosten und Kosten für Geräte und Einrichtungen. Was vom Umsatz dann noch übrig ist, ist euer Gewinn – aber vor Steuern. Vom Gewinn gehen dann noch eure privaten Abgaben wie Kredite, Versicherungen (z.B. Kranken- und Rentenversicherung) und die Steuern ab. Als Faustregel gilt: Von eurem Umsatz habt ihr nach Abzug aller Abgaben noch ungefähr ein Viertel als Reingewinn zur freien Verfügung.

Wer sich und seine Praxis gut organisiert, kann bei normalen Arbeitszeiten als Hausarzt einen guten Verdienst erwirtschaften. Die Aufhebung der Residenzpflicht und die Neustrukturierung der Wochenenddienste in Baden-Württemberg helfen außerdem dabei, eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden.

Zahlen lügen nicht? Wenn ihr euch einen ersten Eindruck davon verschaffen möchtet, was man als Hausarzt verdienen kann, könnt ihr euch in unserem Verdienstkalkulator austoben. Kleiner Tipp: Man rechnet mit rund 1.000 Patienten im Quartal – in größeren Städten sind es in der Regel eher weniger (800 Patienten) und in ländlichen Regionen mehr (1.200 Patienten).