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Brauche ich das später wirklich?

Glykolyse, β-Oxidation, Ketonkörpersynthese, Citratzyklus – bei diesen Begriffen schlägt mein Herz definitiv nicht höher! Auch nicht wenn ich irgendwelche unverständliche Abkürzungen wie PALP, TPP, GAP-3-DH in der Vorlesung  um die Ohren geschmissen bekomme. Biochemie ist, wer hätte es geahnt, wirklich nicht mein liebstes Fach in der Vorklinik.

Wofür muss ich die verschiedensten Stoffwechselwege mitsamt Strukturformeln und Enzymen pauken? Fast täglich stelle ich mir gerade diese Frage. Unsere “Beziehung” stand schon von Anfang an unter keinem guten Stern. Ob es an mir liegt? Das liegt definitiv im Bereich des Möglichen.

Der falsche Weg

brauche-ich-das-spaeter-wirklichIn der Oberstufe hatte ich die Qual der Wahl: Biologie, Physik oder Chemie? In allen drei naturwissenschaftlichen Fächer war ich ganz in Ordnung. Allerdings konnte ich nur zwei von ihnen weiterhin bis zum Abitur belegen. Ich habe mit Sicherheit den falschen Weg eingeschlagen, Chemie abzuwählen war definitiv keine gute Idee. Die Basics habe ich zwar irgendwann mal gelernt, aber das ist schon sooooo laaaaaange her. Und wenn man ein paar Jahre kaum noch etwas mit Chemie zu tun hat, wird es nicht leichter. Gut, im ersten Semester hatten wir Chemie und das habe ich auch bestanden. Wie ich das geschafft habe? Keine Ahnung. Ich war mir sicher durchgefallen zu sein, hatte mich sogar schon auf nie Nachklausur eingestellt. Der Termin war bereits im Kalender eingetragen. Dann kamen die Ergebnisse: – BESTANDEN!!! Zwar eher schlecht als recht, in dem Moment war mir das allerdings herzlich egal. Das erste Semester Medizinstudium hatte ich gemeistert – deshalb war mein Kopf woanders. Wer  hätte auch gedacht, dass Chemie für Biochemie so essenziell ist wie Valin oder Phenylalanin für unseren Körper?

Jetzt habe ich den Salat

brauche-ich-das-spaeter-wirklichMeine Kommilitonen sind regelrecht erschüttert, wenn wir gemeinsame Lernabende machen, um uns auf Klausuren vorzubereiten. Vor kurzem hatte ich die größten Schwierigkeiten die Strukturformel von Essigsäure auf das Papier zu bringen. Was ein Thioether ist? Erst einmal googeln, dann sehen wir weiter. Biochemie gestaltet sich darum als ganz schön schwierig. Eigentlich wollte ich mir in den letzten Semesterferien nochmal die Grundlagen der Chemie anschauen, beim Anschauen ist es dann aber auch geblieben – sieht wirklich ganz schön aus, diese verschiedenen Zeichnungen und Buchstaben mit den Zahlen dran. Jetzt bereue ich das natürlich umso mehr. Wäre ich im ersten Semester in Chemie konsequenter gewesen und hätte mich an meine Vorsätze für die Semesterferien gehalten, ja dann… dann hätte ich jetzt wahrscheinlich mehr Zeit das wunderbare Wetter zu genießen. Aber leider habe ich eine Krankheit, die noch nicht im ICD aufgelistet ist – chronische Aufschieberitis. Das kommt in meiner Familie häufiger vor, habe ich festgestellt. Leider gibt es da noch nichts von Ratiopharm dagegen.

Die Lösung: Nicht aufgeben!

Nun ja, so ist es jetzt eben. Ändern kann ich in der Vergangenheit nichts mehr. Die Gegenwart muss ich jetzt angehen, damit es in der Zukunft auch wirklich klappt. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich jeden Tag aufs Neue mit Biochemie zu beschäftigen und unser Verhältnis zu „verbessern“, auch wenn wir wahrscheinlich nie ein richtiges Dreamteam werden. Manchmal diskutieren wir noch etwas miteinander- aber es zeigen sich (ab und zu) erste Fortschritte. Also mache ich einfach weiter, denn das Physikum naht!

Was mich durchhalten lässt? Die Gewissheit, dass nach dem Physikum (hoffentlich!) alles besser wird. Danach geht’s „in die Klinik“. Das bedeutet für mich endlich nicht mehr theoretische, biochemische Zusammenhänge zu pauken, sondern Krankheitsbilder kennen zu lernen, die man später im Berufsleben auch tatsächlich braucht. Welcher Arzt kann einem heute die genauen Strukturformeln von Malonyl-CoA zeichnen? Wahrscheinlich die wenigsten.

Mein Fazit für die Zeit bis zur Klinik: Einfach in den sauren Apfel beißen und immer nach Vorne schauen!