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Hausarzt werden in Österreich – so gehts!

Hallo, servus und Grüß Gott! Inzwischen bin ich in meinem letzten Jahr an der Uni Dresden angekommen. Da wird es langsam mal Zeit, sich intensiver mit dem Thema Weiterbildung zu beschäftigen. Weiterbildungsordnungen sind für mich bis dato noch ein einziges Rätsel… .Wie ihr wisst, bin im Moment aber gar nicht in Sachsen, sondern absolviere mein einjähriges Erasmus-Jahr in Österreich im schönen Innsbruck.  Da kann es sicher nicht schaden, auch mal die Ausbildung zum Allgemeinmediziner in unserem Nachbarland genauer unter die Lupe zu nehmen… und da gibt es wirklich einige Unterschiede zu Deutschland!

Am 01.06.2015 ist in Österreich die neue Novelle der Ärzte-Ausbildungsordnung in Kraft getreten. Danach ist die Aus- und Weiterbildung aller Facharztrichtungen und der Allgemeinmedizin (die ist in Österreich zum Bedauern der Allgemeinmediziner nach wie vor keine Facharztrichtung!) neu geregelt worden. Nach dem Studium durchläuft jeder Arzt erst einmal eine 9-monatige Basisausbildung. Diese findet in den konservativen, chirurgischen und notfallmedizinischen Fächern statt. Ärzte in der Basisausbildung werden als “Turnusärzte” bezeichnet.

Hausarzt-werden-in-oesterreichWenn man in die Allgemeinmedizin möchte, muss man nach der Basisausbildung 27 Monate Weiterbildung als “Spitalturnus-Arzt” im Krankenhaus absolvieren, wobei man 12 der 27 Monaten auch schon in einer Lehrpraxis arbeiten kann. Der Fächerkanon der Spitalturnuszeit setzt sich zusammen aus 9 Monaten Innere Medizin, 3 Monaten Kinder- und Jugendheilkunde, 3 Monaten Frauenheilkunde und Geburtshilfe, 3 Monaten Orthopädie und Unfallchirurgie, 3 Monaten Psychiatrie und psychotherapeutische Fächer und jeweils 3 Monaten aus zwei der sechs Fächern Augenheilkunde, Dermatologie, HNO, Urologie, Anästhesie und Intensivmedizin und Neurologie. Nach den 27 Monaten ist man verpflichtet für weitere 6 Monate in einer allgemeinmedizinische Praxis als “Weiterbildungsarzt” tätig zu sein. Alles in allem dauert die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin in Österreich also 42 Monate. Eine “Facharztausbildung” dauert dagegen bis zu 72 Monate. Derzeit strebt man an die Weiterbildungszeit in der allgemeinmedizinischen Lehrpraxis bis 2022 auf 9 Monate und bis 2021 auf 12 Monate zu erhöhen. Im Anschluss folgt die Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin.

Hausarzt-werden-in-oesterreichDr. Reinhold Glehr, Vorstandsmitglied und Vizepräsident der ÖGAM (das ist die Österreichische Gesellschaft Allgemeinmedizin und das Pendant zur DEGAM in Deutschland) hat sich in der ZFA 10/2015 (das ist die Zeitschrift für Allgemeinmedizin) im Artikel “Ausbildungsreform 2015 in Österreich” zu dieser neuen Weiterbildungsordnung geäußert. Er kritisiert, dass die geforderte Verlängerung der Weiterbildungszeit, die auch wirklich notwendig ist, um ausreichende Kompetenzen im Grundversorgungsbereich zu erwerben, wahrscheinlich nicht durchgesetzt werden kann. Die Finanzierung der Zeit in der Lehrpraxis ist nämlich bisher nicht gesichert. Und auch die psychosomatische Grundausbildung ist seiner Meinung nach nicht weitreichend genug abgedeckt. Besonders stört ihn aber, dass wiederholt die Allgemeinmedizin in Österreich immer noch keine Facharztbezeichnung ist. Deshalb fordert er langfristig eine Angleichung des österreichischen Weiterbildungssystems an das deutsche und das schweizer System.

Es gibt also im Bezug auf die Allgemeinmedizin-Weiterbildung in Österreich noch viel Nachbesserungsbedarf – da sind sich die Hausärzte, die JAMÖ (Junge Allgemeinmedizin Österreich) und die ÖGAM einig. Der Kampf für eine eine gute Ausbildung der Jungmediziner geht also weiter!