Jetzt-wird-alles-anders

Jetzt wird ALLES anders!

Nach dem Physikum vergessen die meisten ihr Studium für eine Weile: Brasilien, Peru, Australien, China, USA, England, Italien – man gönnt sich ja sonst nichts. Oder man macht einfach eine Reise durch die beschauliche Heimat, wo man der Familie und den alten Freunde einen Besuch abstattet. Und zack… es ist wieder Oktober, ein neues Semester beginnt!

Willkommen zurück, der Ernst des Lebens geht weiter – und viele offene Fragen stehen im Raum: Wie läuft jetzt alles ab? Was wird sich verändern? Gibt es neue Kommilitonen? Werden wir jetzt tatsächlich und ganz real echte Patienten sehen? Und dürfen wir mit ihnen am Ende sogar reden oder sie womöglich auch noch untersuchen?

Der erste Tag

Pünktlich um 8 morgens geht das Unileben wieder los. In Tübingen muss man dazu erst mal auf den Schnarrenberg klettern. Die meisten sind noch nicht ganz fit
und schwören auf viel Kaffee. Erste Amtshandlung in der Klinik: Man trifft sich vor der Anatmöse und tauscht den neusten Klatsch und Tratsch über die vergangenen Wochen aus. Wer war wo im Urlaub, wer hat an eine andere Uni gewechselt und vor allem: Wer hat leider doch nicht bestanden? Mit kleiner Verspätung haben dann alle im Hörsaal einen Platz gefunden (die letzten zwar auf den Treppen – aber hey, immerhin können sie sitzen). Dann geht’s auch gleich los. Einführungsveranstaltung (Wo gibt es noch sowas?), dann Mikrobiologie. In den nächsten Vorlesungen wird gleich wieder fleißig mitgeschrieben, aber die Professoren verpassen auch nicht kräftig Werbung für ihr jeweiliges Fachgebiet zu machen. Famulatur? Kommt zu uns! Doktorabeit? Immer gerne! Hiwis? Können wir immer gebrauchen! Wir werden umworben, obwohl wir doch (fast) nichts können. Aber das ändert sich ja nun endlich!

Auf zum ersten U-Kurs!

Jetzt-wird-alles-andersDie ersten Tage vergehen schnell. Nachdem wir aus der Vorklinik nur Vorlesungen, Praktika und Seminare kennt gibt’s jetzt was Neues. Untersuchungskurse – oder wie der Neu-Kliniker schnell lernt: U-Kurs (Abkürzungen sind in der Klinik scheinbar sehr beliebt). Dafür braucht man erst mal eine Ausrüstung. Jeder sucht sich ein Stethoskop passend zu seiner Augenfarbe (natürlich nicht!) aus, dazu noch einen Reflexhammer, Leuchte und einen schönen weißen Kittel. Das Equipment stimmt, noch ein paar Kulis, ein wichtiger Gesichtsausdruck, ein schneller Gang (der Klinikalltag ist schließlich hektisch) und man fühlt sich schon irgendwie als richtiger Mediziner – kann aber natürlich immer noch (fast) nichts. Die erfahrenen Ärzte in der Klinik versuchen dann ihr umfangreiches Fachwissen und ihre jahrelange Erfahrung an uns junge “Kollegen” weiterzugeben. Erst wird einem die Theorie vermittelt und anschließend übt man an seinen Kommilitonen (zum Glück gibt’s in den meisten Gruppen mindestens ein männliches Exemplar). Ein U-Kurs in dem sich niemand ausziehen muss, ist schließlich kein richtiger U-Kurs.

Aha – ein lebendiger Patient :)!

Jetzt-wird-alles-andersNachdem man Perkussion, Palpation, Auskulation (und so weiter) erst mal an Versuchskaninchen aus seiner Lerngruppe ausprobiert hat, geht’s zu den Patienten. Ja, richtig gehört – zu den RICHTIGEN Patienten. Das heißt: etwas ältere Menschen, die so nett sind eine semiprofessionelle Untersuchung von neugierigen Studenten über sich ergehen zu lassen. Sie sind meist sehr redselig und wollen kein Detail ihrer teils langen Krankengeschichte vernachlässigen. Da muss man sich auch manchmal etwas unbeliebt machen, um den Redefluss zu unterbrechen. Aber schließlich muss man irgendwie auf das Wesentliche kommen.  Mit der Zeit kann man dann auch wirklich einen Unterschied beim Perkutieren einer Lunge hören. Man fühlt zum ersten Mal eine vergrößerte Leber, hört ein Systolikum, ein exspiratorisches Giemen und tastet geschwollene Lymphknoten am Hals.  Je öfters sich einem die Möglichkeit bietet, seine neuen praktischen Fertigkeiten anzuwenden (also je öfters sich Familie und Freunde als Testpersonen opfern), desto besser wird man. Und bis zum OSCE haben wir ja auch noch ein bisschen Zeit.

Ach ja – Klausuren gibt’s auch in der Klinik. Aber es hat sich wirklich schon viel verändert – das Abenteuer Klinik hat begonnen!