Landesärztekammer Baden-Württemberg

Von Kammerkunst und Wählergunst

Vom 15. bis 30. November ist es bei uns in Baden-Württemberg wieder soweit: Alle Ärzte im Ländle wählen, welche Kolleginnen und Kollegen ihre Interessen in den nächsten vier Jahren in der Landesärztekammer vertreten sollen. Viele von uns kennen die Ärztekammer aber nur, weil sie jedes Jahr Mitgliedsbeiträge von unseren Konten abbucht. Dabei kann das “Gremium der ärztlichen Selbstverwaltung” in Wirklichkeit viel mehr.

Wer die Ärztekammer überhaupt ist

Ärztekammern gibt es auf Bundes- und auf Landesebene. Jeder approbierte Arzt ist Pflichtmitglied in der Ärztekammer, in deren Gebiet er oder sie arbeitet. Alle Mitglieder bezahlen einen Mitgliedsbeitrag, um die Kosten der Kammer zu decken. Er ist abhängig von den Einkünften aus eurer ärztlichen Tätigkeit.

Ärztekammern werden auch als Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung bezeichnet, weil dort Ärzte aller Fachrichtungen sitzen und gemeinsam ihre “beruflichen Angelegenheiten” regeln, anstatt sie von anderen Nicht-Medizinern (etwa einer Behörde) regeln zu lassen. Zu den beruflichen Angelegenheiten zählen zum Beispiel die Gestaltung der Weiterbildungsordnungen oder die Organisation der ärztlichen Fortbildungen. Außerdem erlassen die Ärztekammern Regeln für die Berufsausübung, die dann in der Berufsordnung stehen, und sorgen dafür, dass sich alle Ärzte auch daran halten. Beschwert sich ein Patient oder ein Kollege über das Verhalten eines Arztes, leitet die Ärztekammer ein berufsgerichtliches Ermittlungsverfahren ein und die Kammeranwälte gehen der Beschwerde nach.

So wird gewählt

Die Landesärztekammer in Baden-Württemberg ist unterteilt in vier Bezirksärztekammern und 47 Ärzteschaften. Im November wählt ihr als Ärztin oder Arzt über eure Bezirks- und Kreisliste, welche Kandidaten euch in den nächsten Jahren in eurer Bezirksärztekammer vertreten sollen. Dafür habt ihr eine bestimmte Anzahl an Stimmen zur Verfügung, je nach Größe eures Wahlbezirks. Dann ist die Arbeit erst mal getan, es sei denn, ihr seid als neuer Vertreter in die Bezirksärztekammer gewählt. Die Bezirksärztekammern entscheiden nämlich darüber, wer in der Landesärztekammer sitzen soll. Die Vertreter in der Landesärztekammer stimmen darüber ab, welche Delegierte sie zum Deutschen Ärztetag schicken – dem sogenannten “Parlament” der Ärzteschaft.

Eine Wahl über Listen

Genau wie bei anderen Wahlen gibt es auch bei der Kammerwahl verschiedene Wahllisten, aber nicht von politischen Parteien, sondern von Ärzteverbänden oder -organisationen. Ihr Ziel ist es, dass so viele ihrer Kandidaten wie möglich in die Bezirksärztekammern gewählt werden. Denn: Wer viele Sitze und damit eine starke Stimme hat, kann Entscheidungen zu seinen Gunsten beeinflussen.

Die Kandidatinnen und Kandidaten der “Hausarztliste” vertreten zum Beispiel die Interessen der niedergelassenen Allgemeinmediziner und hausärztlichen Internisten. Sie möchten in den nächsten vier Jahren die Position der Hausärztinnen und Hausärzte in der Landesärztekammer stärken und sich ganz besonders für den hausärztlichen Nachwuchs einsetzen. Neben einer qualitativ hochwertigen Aus- und Weiterbildung stehen attraktive Arbeitsmodelle auf ihrer Agenda.