Medizin-der-Menschlichkeit

Medizin der Menschlichkeit

Wir leben in einem modernen Zeitalter – viele Krankheiten, die man früher nicht heilen konnte, sind heute besser zu behandeln, es gibt modernste Technik und Untersuchungsmethoden, die Operationen werden immer ausgefeilter und minimalinvasiver. Da ist es fast paradox, dass in so einer modernen Medizin in vielen Krankenhäusern veraltete hierarchische Strukturen die Kommunikation und das Handeln beherrschen. Gut, dass die Generation Y da ist…

Arzt war lange Zeit als Traumberuf angesehen, ob in der Praxis oder im Krankenhaus. Man tut etwas Sinnvolles, hilft den Menschen und repariert ganz neben bei eins der wichtigsten Güter des Menschen – die Gesundheit. Trotzdem gibt es viele junge Mediziner, die gerade in den ersten Jahren ihrer Facharztausbildung oder bereits im praktischen Jahr am Ende des Studiums erste Sinnfragen stellen und an ihrem beruflichen Werdegang zweifeln: Wo ist die Balance zwischen Arbeit und Freizeit? Werden meine Kinder mich heute noch für den Gute-Nacht-Kuss sehen können? Wie kann ich helfen, wenn ich selbst Hilfe brauche, weil die vielen Dienste und Überstunden mich überrennen? Wo ist die Menschlichkeit und Wärme die ich meinen Patienten geben möchte, aber nicht kann, weil die Zeit fehlt? Das sind Fragen, die in den Köpfen vieler angehender Ärzte herumschwirren. In der Soziologie nennt man sie die Generation Y. Sie versorgen die Kliniken und Arztpraxen im Moment mit neuem Nachwuchs.

Medizin-der-MenschlichkeitDie Generation Y ist die Bevölkerungskohorte, die im Zeitraum von 1980 bis 1999 geboren ist und neue Ansprüche an das Berufsleben stellt. Keine Überstunden, kein Dauerstress und Work-Life-Balance – das sind die Forderungen der neuen Ärztegeneration. Sie haben keinen Bock auf Burnout und brauchen einen gesunden Ausgleich zu den vielen Härten im Arztalltag, mit denen sie täglich konfrontiert werden. Es kann nicht sein, dass ganze dreiundzwanzig Prozent der Assistenzärzte schon nach kurzer Zeit nach ihrem Berufseinstieg an depressiven Störungen leiden.

Die Medizin ist im Wandel mit einer neuen Generation und den damit verbundenen neuen Problemen unserer Zeit. Für die Generation Y hat der alte Arzt ausgedient, es gilt also die zurzeit 12.000 unbesetzten Stellen in Deutschland für die neuen Ärzte attraktive zu gestalten. Die Probleme des neuen Zeitalters kann man lösen und wir Ärzte profitieren von einer Medizin, bei der Menschlichkeit im Zentrum des Geschehens steht. Es gibt viele kleine Ideen, die aber schon Großes bewirken könnten. Die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten, Kinderbetreuung, angemessene Bezahlung und geregelte Arbeitszeiten wären ein erster Schritt in die richtige Richtung. Schweden, England und die Schweiz machen es uns vor und sind ein gutes Beispiel wie die Medizin der Zukunft funktionieren kann.

Medizin-der-MenschlichkeitViele deutsche Ärzte entscheiden sich ihre Sprechstunde lieber in Büllerbü abzuhalten, denn die schwedischen Arbeitsbedingungen klingen in deutschen Ohren nahezu paradiesisch. Ganzkindergartentagesplätze kosten nur 150 Euro im Monat, es gibt keine selbstständigen Praxen, sondern alle Ärzte arbeiten in Team von Festangestellten im klassischen „9 to 5 Job“ und Wochenenddienste werden mit 240 Prozent des Normallohnes entlohnt.

Es wird Zeit, dass auch in Deutschland bald ein anderer Wind weht! Die Weichen sind gestellt, denn die neue Generation ist selbstbewusst und weiß was sie will:

Die guten Aspekte der alten Arzttradition wahren, aber dennoch über den Tellerrand schauen und der Medizin die Menschlichkeit für Arzt und Patient geben, die sie verdient.