Mehr-Allgemeinmedizin-im-Studium

Mehr Allgemeinmedizin im Studium?

Genau zu dieser Frage hat das Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) im Auftrag des Marburger Bundes (dem Berufsverband der angestellten und verbeamteten Ärzte) Anfang des Jahres eine Onlineumfrage unter Medizinstudierenden durchgeführt: das Studi Barometer 2016! Ich habe mitgemacht und mich den Fragen gestellt. Im Februar war es dann endlich soweit: Die Ergebnisse wurden veröffentlicht – und ich war ganz schön überrascht…

Ich fange mal vorne an: Rund 1.800 Medizinstudenten (allesamt Mitglieder im Marburger Bund) haben an der Befragung teilgenommen. 49 Prozent können es sich vorstellen, später mal als Hausarzt oder Hausärztin zu arbeiten – wegen des guten Verdiensts und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein wirklich tolles Ergebnis oder? Die meisten Befragten würden am liebsten in einem Anstellungsverhältnis oder in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten, weil man sich bei Fragen oder Problemen mit den Kollegen austauschen kann.

Mehr-Allgemeinmedizin-im-StudiumSoweit so gut, kommen wir jetzt zum Studium: Die Lehre im Fach Allgemeinmedizin wird von den Studierenden durch die Bank weg sehr gelobt. Deshalb halten sie es für überflüssig, die Hausarztmedizin im Studium weiter zu stärken, wie es der “Masterplan Medizinstudium 2020” der Bundesregierung vorsieht. Im Moment wird (wie ihr sicher wisst) zum Beispiel heiß darüber diskutiert, ein Pflichttertial Allgemeinmedizin im PJ einzuführen. Die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) schlägt dagegen eine Pflichtprüfung im in der Hausarztmedizin vor. Beide Ideen lösen bei den Studierenden keine Begeisterungsstürme aus. Mit dem Blockpraktikum und der Pflichtfamulatur sei das Fach ausreichend gut abgedeckt, so die Argumentation.

Die Ergebnisse des Studi Barometer 2016 lassen sich also in etwa so zusammenfassen: In der Lehre wird genug getan, die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, damit sich mehr Studierende entscheiden, Hausarzt zu werden. Ist das so? Ich bin auch der Meinung, dass die Allgemeinmedizin im Studium gut vertreten ist. Im Blockpraktikum bei einem engagierten Lehrarzt kann man tolle Einblicke in das Fach bekommen. An meiner Heimatuniversität Dresden gibt es darüber hinaus weitere tolle Seminare, wie das Instant Aging. Hier lernt man sehr viel für den Umgang mit älteren Patienten in einer Hausaarztpraxis und hat gleichzeitig noch jede Menge Spaß dabei.

Mehr-Allgemeinmedizin-im-StudiumAber: “Lehre gut, alles gut” ist irgendwie zu kurz gedacht. Zum Hausarzt sein gehört mehr als nur das medizinische Handwerkszeug.  Ich persönlich fühle mich ziemlich unsicher, wenn ich mir vorstelle, später als  Betriebswirtin mit einer Praxis selbstständig zu sein. Denn mal ganz ehrlich: Von Steuerprüfung, Praxis- und Qualitätsmanagement oder guter Personalführung haben wir nach unserem Studium einfach absolut keine Ahnung! Und dann kommen da noch die komplizierten Abrechnungsstrukturen hinzu und das reicht dann schon auch, um sich dreimal zu überlegen, ob man den ungewissen Sprung in die eigene Praxis wagen will – da kann die medizinische Lehre im Fach noch so phänomenal sein.

Wir werden sehen, was in den nächsten Jahren passiert. Eins weiß ich aber schon jetzt ganz genau: Für mich ist die Allgemeinmedizin das schönste Fach der Welt, einfach, weil sie im Gegensatz zu allen anderen Disziplinen wirklich ganz nah am Patienten ist. Sei es in der eigenen Praxis oder als Angestellte, ich habe mein Herz schon jetzt verloren…