Mein-Ameisenkrieg-in-der-Dunkelkammer

Mein Ameisenkrieg in der Dunkelkammer

Sonografie ist schon eine spannende Sache. Patienten “vorschallen” durfte ich schon im PJ, aber wirklich verstanden, warum mein Mentor in genau der gleichen Einstellung immer ein viel besseres Bild bekommen hatte als ich, habe ich nicht. Sonografie ist für mich ein Ameisenkrieg auf dem Bildschirm geblieben – Zeit die Dinge zu ändern!

Als in der Klink die ersten Dienste kamen, in denen ein OBS zur Diagnostik einfach dazugehört, habe ich mir fest vorgenommen: “Jetzt lerne ich es!” Gott sei Dank gibt es bei uns im Krankenhaus einen Sonografiekurs, der für die Weiterbildungsassistenten in der Inneren und der Allgemeinmedizin Pflicht ist. Gesagt, getan – ich wurde für vier Tage freigestellt, um in die Tiefen der Ultraschalldiagnostik einzutauchen. Wie unglaublich tief diese Tiefen sind, ist mir bereits am ersten Tag in der ersten Lehrstunde Physik und “Knopfologie” klar geworden. Ich habe nicht wirklich ein Wort von dem verstanden, was man mir versucht hat zu erklären. Piazzokristalle und Wellen (beziehungsweise Schwingungen) ist das Einzige, dass ich mir gemerkt habe… was solls, mein Schallgerät funktioniert auch so. In den nächsten drei Tagen haben wir unglaublich viel über die einzelnen Organe gehört und durften auch immer wieder praktisch üben. Aber bei all der Tiefe, die sich plötzlich vor mir aufgetan hat, was sind da schon vier Tage? Ich wusste am Endes des Kurses zwar, wo was liegt, aber pathologische Befunde habe ich nicht wirklich einordnen können – also zurück in die Praxis!

Mein-Ameisenkrieg-in-der-DunkelkammerUnd los gings: Bei uns in der Inneren vernachlässigen wir gerne mal die Schilddrüsensonografie, deshalb habe ich mich zu einer Weiterbildung in genau diesem Bereich angemeldet. An zwei Tagen konnte ich nicht nur meine Techniken präzisieren, sondern meine Oberärzte sogar überzeugen, dass es doch sinnvoll wäre, wenn wir dieses kleine, tolle Organ doch hin und wieder schallen würden. Nicht ganz uneigennützig natürlich: Aller Übung zum Trotz muss ich ab und an auch an meine Zahlen denken! 500 Oberbauchorgane, 150 Schilddrüsen und nicht zu vergessen 300 Gefäße sind im Logbuch Allgemeinmedizin vorgeschrieben und im alltäglichen klinischen Betrieb nicht ganz so einfach zusammen zu kriegen. Einen Teil der Oberbauchsonografien  und ein paar Schilddrüsen habe ich schon abgearbeitet, aber jetzt, wo ich an der Ultraschalldiagnostik so richtig gefallen gefunden habe, sind auch die Gefäße nicht mehr vor mir sicher…

Zum Glück gilt unsere Klinik als Zentrum für Gefäßmedizin und es gibt hier eine eigene angiologische Ambulanz, in der ich die letzten drei Monate meines PJs verbracht habe. Praktischerweise liegt in der Nähe der Carotis auch gleich die Schilddrüse, so habe ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Man glaubt gar nicht, wie viele Menschen mit auffälligen Schilddrüsenknoten durch die Gegend laufen.
 Mein Leben hat zu dieser Zeit vor allem aus wirklich gruseligen Gefäßverschlüssen (Ich versteh nicht, wieso man mit schwarzen Zehen nicht zum Arzt geht?), interessanten Shuntdarstellungen, riesigen Aortenaneurysmen und vielen anderen spannenden Dingen bestanden.

Mein-Ameisenkrieg-in-der-DunkelkammerNach drei Monaten in der Dunkelkammerambulanz und tollen Fortschritten bin ich sehr froh, endlich wieder Tageslicht zu erblicken. Übrigens: Ich finde auch nach dieser langen Zeit noch, dass Pathologien der Bauchspeicheldrüse eher einem Rohrschachtest gleichen. Wenn mich Patienten fragen, wie ich denn da im Ameisenkrieg auf dem Bildschirm eigentlich was sehen könne, muss ich jedes Mal wieder schmunzeln :)!