Medizinstudentin mit Patienten in Behandlungsraum

Nur Allgemeinmedizin… nichts Spezielles also.

Diese Aussage habe ich schon des Öfteren zu hören bekommen. Aber verfolgen wir das Gespräch doch einmal von Anfang an, meist beginnt die Überleitung zum Thema Beruf bzw. Ausbildung und Studium so: „Und, was machst du? Arbeitest du schon oder studierst du immer noch?“ „Ich studiere noch immer Medizin“, antworte ich, schon ahnend, was nun kommen wird. Es folgen zunächst genauere Nachfragen hinsichtlich der aktuellen Semesterzahl und ein paar Bemerkungen zu dem doch relativ langen Studium, worauf mein Gegenüber den Faden weiter spinnt: „Weißt du schon, auf was du dich später mal spezialisieren willst?“

Die Frage aller Fragen an eine Medizinstudentin. Ich hole tief Luft und antworte stolz: „Allgemeinmedizin, ich möchte Hausärztin werden.“ Darauf dann häufig Ernüchterung und obige Feststellung als Antwort. Bevor ich mich nun weitergehend zu diesem Thema äußere, bzw. meinen Gesprächspartner „aufkläre“, dass Allgemeinmedizin alles andere als „nur Allgemein“ ist, wobei mich eigentlich das Wörtchen „nur“ am Meisten stört, möchte ich mich selbst erst einmal vorstellen:

Mein Name ist Sabine, ich bin 24 Jahre alt, studiere an der medizinischen Fakultät Mannheim, die zur Uni Heidelberg gehört und bin mitten im achten Semester. Im Moment stehen Rechtsmedizin, Unfallchirurgie und Transfusionsmedizin auf dem Stundenplan. In der letzten Woche durfte ich ein Kurzreferat zum Thema kindliche Ellenbogenfrakturen innerhalb von einem Tag vorbereiten, was natürlich super viel Freude gemacht hat, besonders in dieser knapp bemessenen Zeit und über Pfingsten hatte ich einiges mit meiner allgemeinmedizinischen Doktorarbeit zu tun. Langweile hatte ich schon lange nicht mehr. Erst konnte ich nicht schnell genug im Studium vorankommen, jetzt setzt der „schon“ Effekt ein und ich genieße mein Studentenleben in vollen Zügen.

Den Wunsch, später einmal als Hausärztin zu arbeiten, hatte ich bereits zu Beginn meines Studiums und bin diesem so gut wie nie abtrünnig geworden. Zugegeben: Es gibt andere klinische Fächer, die durchaus auch ihren Reiz haben, aber keines kann der Allgemeinmedizin, zumindest meiner Ansicht nach, das Wasser reichen. Allgemeinmedizin ist nämlich alles andere als „nur allgemein“ und auch nicht nur Husten, Schnupfen, Fußpilz und gelbe Zettel abholen, was einige Mitmenschen denken. Als Hausarzt ist man Spezialist für den ganzen Menschen. Man konzentriert sich nicht nur auf ein einzelnes Organ oder Organsystem, wie das die Fachspezialisten mitunter tun, sondern man muss den Patienten als Menschen in seiner Gesamtheit sehen und dazu noch all die Vorerkrankungen, sozialen, beruflichen und sonstigen Probleme, die er oder sie mitunter mitbringt. Spannend ist das, man muss sich auf jeden seiner Patienten neu einstellen und einlassen. Idealerweise kennt man sie, wenn man erst einmal ein paar Jahre im Beruf hinter sich gebracht hat, und weiß, wie sie so drauf sind, wie sie reagieren, was ihnen gut tut, wo man abwarten kann oder wo man vielleicht doch noch einmal nachhaken muss. Zudem betreut man Patienten einer enormen Altersspanne: Kinder von klein auf, Jugendliche, Erwachsene, alte Menschen. Eine große Herausforderung ist das, finde ich, und abwechslungsreich noch dazu. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich noch viel lernen muss, um all diese Patienten adäquat behandeln zu können, aber ich freue mich darauf. In der Allgemeinmedizin sehe ich ein Fach, das, wie erwähnt, viel Abwechslung bietet und bei dem man die Chance hat, Patienten über einen langen Zeitraum begleiten zu können und zu sehen, wie sie sich entwickeln. Als Hausarzt weiß und erfährt man über seine Patientin oft viel mehr als manch anderer Kollege und man bekommt oft ein großes Vertrauen entgegengebracht.

All diese Gegebenheiten faszinieren mich an der Allgemeinmedizin.