Programmheft des Hausärztetags 2018 in Stuttgart

Patientenversorgung – wer machts?

Die neue Bundesregierung ist im Amt. “Wir schaffen eine flächendeckend gute Gesundheitsversorgung”, heißt es im Koalitionsvertrag. Auf dem 16. baden-württembergischen Hausärztetag in Stuttgart am 16. und 17. März 2018 hat die Delegiertenversammlung des Hausärzteverbands Baden-Württemberg die Parteien in ihrem Leitantrag aufgefordert, sich ganz klar zur Förderung und Verbesserung der hausärztlichen Versorgung der Bevölkerung zu bekennen.

Chefsache

Die Gesundheitsversorgung wird bei uns in erster Linie von den Hausärztinnen und Hausärzte getragen. Hausärztliche Aufgaben an “Physician Assistants” oder andere medizinische Hilfsberufe zu übertragen, halten unser Vorstand und die Delegiertenversammlung für nicht angemessen und medizinisch nicht vertretbar. Fakt ist allerdings: In vielen Regionen in Baden-Württemberg ist die hausärztliche Versorgung heute schon massiv gefährdet. Der steigende Bedarf an medizinischen Leistungen, der vor allem durch den demografischen Wandel im Land entsteht, kann von der immer kleiner werden Zahl an Hausarztpraxen oder den überlasteten Klinken nicht mehr gedeckt werden. Aber was tun?

Patientensteuerung heißt das Zauberwort

Unsere 40 Delegierten finden: Die Grundlage einer finanzierbaren und qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung ist eine effektive Patientensteuerung.  Sie ist deshalb auch die Grundlage der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV). In der HZV fungiert der Hausarzt als eine Art “Gesundheitsmanager”, “Lotse” oder “Gatekeeper”. Das bedeutet: Er ist für die Patienten der erste Ansprechpartner bei allen gesundheitlichen Problemen, leitet die nächsten Behandlungsschritte ein und bekommt alle Informationen von anderen behandelnden Ärzten zurück. Studien der Uni Heidelberg und der Uni Frankfurt zeigen: Wer sich für die HZV entscheidet, darf sich über eine hohe Versorgungsqualität freuen. Die “alternative Regelversorgung” ist deshalb ein Konzept, das in ganz Deutschland ausgebaut werden sollte, sagen zumindest unsere Hausärztinnen und Hausärzte aus dem Hausärzteverband Baden-Württemberg. Sie haben seit 10 Jahren gute Erfahrungen mit dem Versorgungsmodell gesammelt.

Never change a winning team

Maßgeblich an der Einführung der HZV in Baden-Württemberg beteiligt waren unsere beiden Vorstandsvorsitzenden Dr. Berthold Dietsche und Dr. Frank-Dieter Braun. Sie wurden deshalb von den Delegiertenversammlung auch für die nächste Amtszeit als erster und zweiter Vorsitzender bestätigt.  Auch die anderen acht gewählten Vorstandsmitglieder Dr. Manfred Eissler (Schatzmeister), Dr. Doris Reinhardt (Schriftführerin), Marianne Difflipp-Eppele (Bezirksvorsitzende Nordbaden), Dr. Jürgen de Laporte (Bezirksvorsitzender Nordwürttemberg), Markus Common (Bezirksvorsitzender Südbaden), Dr. Franz Ailinger (Bezirksvorsitzender Südwürttemberg), Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth (Beisitzerin) und Dr. Thomas Heyer (Beisitzer) konnten überzeugen.

Stürmische Zeiten

Unser Vorstand steht in den nächsten vier Jahren vor großen Herausforderungen. In Baden-Württemberg sind mehr als ein Drittel der Hausärzte älter als 60 Jahre und viele Hausarztpraxen finden keine Nachfolger. “Fakt ist, dass es die hausärztliche Versorgung, so wie wir sie über viele Jahre gelebt haben, in Zukunft nicht mehr geben wird. Wir müssen also Wege finden, die neuen Bedürfnisse der jungen Ärztegeneration zu erfüllen”, findet Dr. Frank-Dieter Braun. Der Trend geht zu Anstellungsverhältnissen, Work-Life-Balance spielt eine entscheidende Rolle, vor allem für Ärztinnen. Einen großen Beitrag, um den Hausarztberuf wieder attraktiver zu machen und die Patienten effektiv zu steuern, sehen die Vorsitzenden in der HZV. “In Baden-Württemberg sind wir schon sehr weit gekommen. Jetzt brauchen wir aber mehr Unterstützung von politischer Seite. Hier ist die neue Bunderegierung gefragt, mit echten Reformen zu überzeugen”, fordert Dr. Berthold Dietsche.