So-liebe-Professoren

So nicht, liebe Professoren!

Als vielbeschäftigter Student hat man mit der Zeit so seine Tricks, wie man möglichst zeiteffizient den Alltag meistert. Kaffeekochen ist auf Bestzeit optimiert und der Schleichweg zur Uni ist durch eine weitere Abkürzung perfektioniert. Nachrichten lese ich in einer App, die mir das Tagesgeschehen schon mal vorfiltert. Als ich letzten Mittwoch vor der statistischen Beratung die Wartezeit genutzt habe, um die Schlagzeilen zu scannen, ist mir ein Artikel im Spiegel ins Auge gesprungen: “Ihr Studenten nervt!“ So direkt war mir jetzt noch nicht aufgefallen, dass ich nerve. Also musste ich den Artikel lesen und was ich da gelesen habe, hat mich ganz schön wütend gemacht…

E-Mails

Studenten können keine E-Mails schreiben. Achso… Also, dass Smilies in einer Mail an den Pharma-Professor nichts verloren haben, sehe ich ein. Aber man muss auch mal ehrlich sagen, dass es bei den Professoren und ihren Mails eine ganz besondere “Unart” gibt, die einen ziemlich frustrieren kann… und zwar auf seitenlange und liebevoll verfasste Mails “ok O.J.“ zu antworten!

Widersprechen

So-liebe-ProfessorenEine Professorin in dem Spiegel-Artikel motiviert uns Studenten zu mehr Widerspruch. Aber mal ehrlich, mit dieser Meinung ist er ziemlich alleine. Obwohl es sicherlich um einiges spannender wäre, in der Vorlesung mal etwas diskutieren zu dürfen. Ich erinnere mich nur zu gut an ein Physiologie-Seminar, in dem unser Professor den Cl/HCO3-Antiporter falsch herum in die an die Wand gemalte Zelle einbauen wollte. Nachdem ich ihn darauf angesprochen habe, dass es physikalisch-chemisch wohl nicht möglich ist, so Ionen zu transportieren, verbrachten wir noch zwei furchtbar lange, unfreundliche Stunden gemeinsam im Seminarraum. Danach habe ich noch eine ganze Zeit mit einem schlechten Gewissen kämpfen, weil ich natürlich nicht vorhatte, ihn in seiner Ehre zu kränken.

Pünktlichkeit

So-liebe-ProfessorenWir Studenten sollen bitte auch nicht immer so unpünktlich sein oder früher aus Vorlesungen gehen. Dass das ständige Geraschel nervt, wissen wir auch. Trotzdem sei uns das ein oder andere Mal verziehen, wenn wir auf Zehenspitzen den Hörsaal verlassen. Ein Studentenleben ist auch nicht mehr das, was es mal war und gelegentlich hat man tatsächlich andere wichtige Verpflichtungen.

Interesse

So-liebe-ProfessorenEin Vorwurf hat mich dann doch besonders getroffen: Studenten sollen sich angeblich nicht für ihr Fach interessieren und nur zu Veranstaltungen gehen, wenn Anwesenheitspflicht ist. Früher wäre das Studium dagegen eher ein Hobby gewesen. Ich kann hiermit alle Professoren beruhigen: Wir haben Spaß am Studium!

Natürlich führen wir keinen Freudentanz auf, wenn wir uns am Nachmittag an den Schreibtisch setzen müssen. Natürlich fallen uns die Köpfe auf den Tisch, wenn der Dozent einen Roman von der PowerPoint-Präsentation abliest oder unendlich lange Monologe hält. Und natürlich haben wir auch Hobbies, die nicht so viel mit Medizin zu tun haben. Doch dann gibt es da auch noch die freiwilligen Vorlesungen, die überlaufen sind, weil der Dozent einem etwas beibringen kann. Oder die SkillsLab-Kurse, die in kürzester Zeit ausgebucht sind. Liebe Dozenten, zeigt uns eure Begeisterung, dann hören wir euch auch zu! Und mal ganz ehrlich: Einige Dozenten machen es einem wirklich leicht, wenn man sich Sprüche anhören muss wie: “Seid doch nicht immer so übermotiviert!”

Und die Dozenten?

So-liebe-ProfessorenBei all der Kritik konnte man aus dem einen oder anderen Satz im Artikel herauslesen, dass es (angeblich) auch ganz akzeptable Studenten geben soll und auch ich muss sagen: Ich bin nicht prinzipiell unzufrieden mit meinen Dozenten! Ich denke, dass wir bei aller Zeiteffizienz im Prinzip doch alle das gleiche wollen: Viel lernen oder eben lehren und dabei Spaß haben. Das ist keine unlösbare Aufgabe, da bin ich mir sicher. Aber es ist keine Einbahnstraße! Es müssen beide Seiten an sich arbeiten, denn “Was nicht gut ist, hat einen Vorzug: Es kann besser werden.“