Ärztin in Weiterbildung in der Hausarztpraxis.

Wie die Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin funktioniert

Nach dem Medizinstudium ist vor der Weiterbildung! Wer sich für die Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin entscheidet, darf sich auf verschiedene Stationen, verschiedene Arbeitgeber und ganz viel Gestaltungsspielraum freuen.

Aufbau der Weiterbildung Allgemeinmedizin

Die Weiterbildung Allgemeinmedizin dauert fünf Jahre, wenn man sie in Vollzeit absolviert und setzt sich aus drei Abschnitten zusammen. Aufbau und Inhalt werden von der jeweiligen Landesärztekammer festgelegt und können sich von Bundesland zu Bundesland ein bisschen unterscheiden. Wer sich für die Weiterbildung Allgemeinmedizin entscheidet, sollte sich deshalb als erstes überlegen, in welcher Region er diese denn eigentlich absolvieren möchte.

In der Regel verbringt man zuerst 36 Monate in der stationären Versorgung. Einen Teil davon absolviert ihr in der Inneren Medizin – in Baden-Württemberg sind es 18 Monate. Die restliche Zeit könnt ihr in einer anderen Fachrichtung der unmittelbaren Patientenversorgung verbringen, zum Beispiel in der Chirurgie, der Gynäkologie oder der Pädiatrie. In Baden-Württemberg habt ihr sogar die Möglichkeit, nach den 18 Monaten in der Inneren Medizin direkt in die Hausarztpraxis zu wechseln.

Arbeit in der Praxis während der Weiterbildung.Nach dem stationären Teil der Weiterbildung arbeitet ihr für 24 Monate in der ambulanten Versorgung und seid in einer Praxis bei einem Hausarzt mit Ausbildungsbefugnis tätig. In Baden-Württemberg müsst ihr mindestens 18 Monate in der Hausarztpraxis bleiben und könnt euch dann die restlichen sechs Monate auch in einer chirurgischen Praxis oder in der Ambulanz einer chirurgischen Klinik weiterbilden lassen.

Zusätzlich zum stationären und ambulanten Abschnitt müssen alle Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin einen 80-stündigen Kurs zur psychosomatischen Grundversorgung absolvieren. Unser Tipp: Um optimal auf die Arbeit in der Hausarztpraxis vorbereitet zu sein, belegt ihr den Kurs am besten schon in den ersten drei Jahren der Weiterbildung.

Organisation der Weiterbildung

Die Organisation der Weiterbildung erfolgt komplett in Eigenregie. Das heißt, ihr seid selbst dafür verantwortlich, geeignete Stellen zu finden. Aber keine Sorge: In einigen Regionen haben sich Kliniken und Hausarztpraxen zu sogenannten Weiterbildungsverbünden zusammengeschlossen.

Schließt euch während der Weiterbildung einem Arbeit in der Praxis während der Weiterbildung an.

Der große Vorteil von Weiterbildungsverbünden ist, dass ihr nicht immer wieder neu auf die Suche nach passenden Anschlussstellen gehen müsst. Ihr durchlauft die verschiedenen Stationen eurer Weiterbildung in einer Region mit konstanter Qualität, müsst nicht umziehen und keine unnötigen Pausen einlegen. Weiterbildungsverbünde sollen in den nächsten Jahren in ganz Deutschland aufgebaut werden und ausgeweitet werden.

In Baden-Württemberg gibt es seit 2017 außerdem das Weiterbildungsprogramm KWBW VerbundweiterbildungPlus. Die KWBW VerbundweiterbildungPlus hilft Praxen und Kliniken in ganz Baden-Württemberg dabei, Weiterbildungsverbünde aufzubauen und berät euch in allen Weiterbildungsfragen. Außerdem bietet sie Mentoring und Seminarprogramme an, die ihr zusammen mit angehenden Hausärzten in der gleichen beruflichen Situation besucht. So könnt ihr frühzeitig Netzwerke aufbauen und euch mit Kollegen über die Weiterbildung und eure berufliche Zukunft austauschen.

Verdienst und Berufsaussichten

Verdienst in der Weiterbildung

Im Schnitt verdient ihr als Arzt in Weiterbildung bei einer Vollzeittätigkeit rund 5.000 Euro Brutto im Monat – egal ob ihr in der Klinik oder in der Praxis arbeitet. Die Gehälter in der Klinik sind in Tarifverträgen festgelegt. Durch die Förderung der Kassenärztlichen Vereinigung kann euch euer Arbeitgeber im ambulanten Abschnitt der Weiterbildung ein vergleichbares Gehaltsniveau garantieren. In der Klinik könnt ihr euren Monatslohn durch Schicht- und Nachtdienstzulagen und in der Praxis durch die Mitwirkung an der Notdienstversorgung erweitern.

Nach der Weiterbildung braucht ihr euch um einen Job keine Sorgen zu machen! In allen Bundesländern, vor allem in den ländlicheren Gebieten, herrscht ein großer Bedarf an Hausärzten. Ihr findet also fast überall eine Stelle oder könnt euch als Vertragsarzt niederlassen. Nicht selten bleiben Ärzte in Weiterbildung gleich in der Praxis, in der sie ihre Weiterbildung absolviert haben und werden Partner oder Inhaber.

Expertentipps

Bildet euer Netzwerk schon in der Weiterbildung.

Wir haben unsere niedergelassene Hausärzte aus dem Hausärzteverband Baden-Württemberg nach ihren Tipps für die Weiterbildung Allgemeinmedizin gefragt. Alle sind sich einig: Erfahrungsaustausch ist besonders wichtig! Schließ dich also möglichst früh einem Weiterbildungsverbund an, werde Mitglied in der DESAM Nachwuchsakademie oder suche dir einen Mentor. Außerdem solltest du dir vorab gut überlegen, welche Fachrichtungen dich noch interessieren und dir eine Weiterbildungspraxis in einer Region suchen, in der du dir vorstellen kannst, später zu arbeiten. Sei offen und trau dich Neues auszuprobieren, zum Beispiel die Arbeit in einer Hausarztpraxis auf dem Land. Und vergiss nicht, dass ein Hausarzt auch nichtmedizinische Kenntnisse braucht, um eine Praxis zu führen. Dazu zählen zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre oder Mitarbeiterführung. In der Allgemeinmedizin ist darüber hinaus ganz wichtig, neugierig zu bleiben und auf dem neusten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sein.